Grundlage · PixInsight 1.9.x

GradientCorrection

GradientCorrection (GC) erstellt ein glattes Modell des Hintergrundverlaufs und zieht es vom linearen Bild ab. Eine Structure Protection verhindert, dass Nebelstrukturen als Gradient gewertet werden.

Zweck

AufgabeEinstellung
Lichtverschmutzungs- und Mondgradienten entfernenStandardwerte, Structure Protection
großräumige Farbverläufe über das ganze Bild entfernenzusätzlich Simplified Model
Struktur vor dem Modell schützenProtection Threshold und Amount

Prinzip

  • GC urteilt nach Glätte: Alles, was großräumig und glatt ist, gilt als Gradient. Großräumige echte Emission (Milchstraße, ausgedehnte Nebel) kann deshalb teilweise im Modell landen – dagegen hilft die Structure Protection bzw. .
  • Alles, was im Modell steht, wird vom Bild abgezogen. Das Modell muss glatt sein und darf keine Nebelformen enthalten.
  • Gradienten unterscheiden sich je Filter (Lichtverschmutzung ist spektral nicht neutral, Mondlicht wirkt im Blauen stärker). Bei Mono-Daten jeden Master einzeln korrigieren, vor der Kombination; nach der Kombination wären die Verläufe zu Farbverläufen verschmolzen.
  • Vor der Farbkalibrierung korrigieren: Ein Gradient würde Hintergrundbestimmung und Weißbalance verfälschen.

Parameter

ParameterWirkungTypische Wahl
Automatic convergenceiteriert, bis das Modell stabil istaktiviert
Structure protectionschützt erkannte Strukturen vor dem Modellaktiviert
Protection Thresholdwas als Struktur gilt; niedriger = auch schwache Strukturen0,05–0,1
Protection Amountwie stark geschützt wird, d. h. wie weit das Modell dort von den Bildwerten abgekoppelt wird0,5 als Start
Generate gradient modelgibt das Modell als Bild ausaktiviert
Generate protection masksgibt die Schutzmasken aus (bei RGB je Kanal)aktiviert
Low / High threshold und toleranceschließen ungewöhnlich dunkle bzw. helle Bereiche (Sterne) aus der Modellbildung ausStandard 0,20 / 0,50 / 0,05 / 0,00
ScaleGrößenskala des ModellsStandard 5,00
SmoothnessGlättung des ModellsStandard 0,40
Simplified Model / Model degreezusätzliches Polynom für den großräumigen Verlaufaus; bei Bedarf Grad 1
AmountWirkungRisiko
zu niedrigStrukturen kaum geschütztNebelsignal landet im Modell und wird abgezogen
etwa 0,5ausgewogen–
zu hochGradient unter und neben Strukturen kaum erfasstRestgradient, fleckiger Hintergrund in Nebelnähe

Bedienung

  1. Vorher zuschneiden (DynamicCrop): Streulicht-Streifen, Stacking-Ränder und andere Artefakte entfernen. Sonst versucht GC, sie als Gradient zu modellieren, und verfälscht den Hintergrund in der Umgebung.
  2. Auf das lineare Bild anwenden, mit Threshold 0,05–0,1 und Amount 0,5.
  3. Schutzmasken, Modell und Ergebnis prüfen (siehe Kontrolle); nur nachjustieren, wenn eine Prüfung auffällt.

Typische Anwendungen

Ausgedehnte Emission, schwache Kanäle

Wenn Nebel große Bildteile füllt (Schmalband, Milchstraßenfelder): Protection Threshold niedrig halten, damit auch schwache Ausläufer als Struktur gelten. Bei schwachen Kanälen (OIII, SII) besonders vorsichtig – dort liegt die Struktur nur knapp über dem Hintergrund.

Großräumiger Farbverlauf

Weitfeldaufnahmen zeigen oft einen Verlauf über das ganze Bild (z. B. rötlich auf einer, grünlich auf der anderen Seite).

  1. Zuerst ohne Simplified Model korrigieren.
  2. Bleibt ein gleichmäßiger Verlauf: Simplified Model, Model degree 1, erneut korrigieren und vergleichen.
  3. Höhere Grade nur bei deutlich gekrümmten Verläufen.

Modell nachjustieren

BeobachtungMaßnahme
Restgradient sichtbarScale und Smoothness schrittweise senken; das Modell darf keine Nebelstruktur aufnehmen
Modell zeigt Nebel- oder FilamentformenScale bzw. Smoothness erhöhen; Amount 0,6–0,7
Höfe um Filamente oder helle Sterne im ErgebnisSchutz zu stark → Amount etwas senken
nahezu das ganze Bild geschützt, Restgradient bleibtThreshold leicht erhöhen (z. B. 0,1)

Heller Stern im Feld

Der Halo eines hellen Sterns darf nicht als Gradient modelliert werden. Das Modell auf Ringe oder helle Flecken um den Stern prüfen.

Alternative: DynamicBackgroundExtraction

DBE mit wenigen Samples (10–20), nur in eindeutig nebelfreien Bereichen und nicht im Halo heller Sterne. Warum wenige: Jedes Sample im Nebel zieht das Modell nach oben und subtrahiert Nebelsignal.

Woran man ein gutes Ergebnis erkennt

Typische Fehler

BeobachtungUrsacheMaßnahme
Nebelausläufer schwächer als vorherNebel im ModellThreshold senken, Amount erhöhen, Modell prüfen
Ringe oder Flecken um einen hellen Stern im ModellHalo als Gradient erfasstSchutz anpassen; bei DBE keine Samples im Halo
Streifen bleiben im ErgebnisArtefakte vor der Korrektur nicht entferntzuschneiden, erneut korrigieren
Farbverlauf zu den Rändern bleibtgroßräumiger Anteil nicht erfasstSimplified Model, Grad 1
Fleckiger Hintergrund in NebelnäheAmount zu hochAmount senken

Wann sinnvoll – und wann nicht

SinnvollBesser ein anderes Werkzeug
Gradienten in Breitband- und Schmalbanddatengroßräumige echte Emission unterscheiden → (Breitband, mit Referenzdaten)
schnelle, robuste Korrektur ohne Referenzdateneinzelne Problemstellen gezielt → DBE mit wenigen Samples
Verwendet in

HaLRGB-Workflow · MultiscaleGradientCorrection (MGC) · OSC-Workflow mit Quad-Bandpass-Filter · Schmalband-Workflow (HOO/SHO) · WeightedBatchPreprocessing (WBPP)