PixInsight 1.9.5

HaLRGB-Workflow

· 15 Schritte · ca. 4–6 h

Bearbeitung von L-, R-, G-, B- und Ha-Aufnahmen einer Monochromkamera vom Stacking bis zum Export. Ha verstärkt den Nebel im Rotkanal und in der Luminanz, ohne die Farben zu verfälschen; RGB liefert natürliche Farben und Sternfarben.

Überblick

BildRolle
R, G, BFarbe und Sternfarben
Hatiefe Aufnahme der Hα-Emission – verstärkt den Nebel im Rotkanal (Schritt 7) und in der Luminanz (Schritt 8)
LSternfeld, Staubstrukturen, Breitband-Struktur
HaRGBFarbbild nach dem Einmischen von Ha
L_neuLuminanz aus L und Ha

1 Kalibrieren und integrierenLinear

Ziel: fünf deckungsgleiche Masters.

Werkzeuge

Je Filter eine Flat- und eine Light-Gruppe, CFA aus (); ein gemeinsames Registrierungs-Referenzbild für alle Filter, am besten der beste Frame aus Ha. Drizzle, wenn überhaupt, für alle Filter gleich.

2 ZuschneidenLinear

Ziel: Stacking-Ränder und Streulicht entfernen.

DynamicCrop an einem Master einstellen und denselben Ausschnitt auf alle anderen anwenden, damit sie deckungsgleich bleiben. Artefakte, die nicht in den Rejection Maps auftauchen, mit wegschneiden ().

3 Gradientenkorrektur je KanalLinear

Ziel: Hintergrundverläufe entfernen, solange jeder Kanal einzeln vorliegt.

Werkzeuge

Warumje Kanal und vor der Kombination?

Gradienten unterscheiden sich je Filter; Mondlicht wirkt im Blauen stärker, Lichtverschmutzung ist spektral nicht neutral. Nach der Kombination wären sie zu Farbverläufen verschmolzen.

Jeden Master einzeln mit . Für L, R, G, B alternativ , wenn großräumige Emission im Feld liegt; für Ha GradientCorrection.

4 Farbbild und FarbkalibrierungLinear

Ziel: ein farbkalibriertes RGB-Bild als Grundlage für Nebel- und Sternfarben.

Werkzeuge

  1. ChannelCombination: R, G, B → RGB.
  2. ImageSolver, falls die Lösung nicht aus WBPP stammt.
  3. mit Sensor- und RGB-Filterkurven, Narrowband mode aus, White reference Average Spiral Galaxy, Region of Interest auf eine nebelfreie Preview; bei nebelgefülltem Feld Upper limit senken (+1,0 bis +1,5). Dunkelnebel sind als Referenz ungeeignet.
Warumjetzt, vor der Dekonvolution?

SPCC misst die Sterne photometrisch und braucht dafür unveränderte Sternprofile.

5 DekonvolutionLinear

Ziel: Sternformen korrigieren und Strukturen schärfen – mit gleichen Sternprofilen in RGB und Ha.

Werkzeuge

auf RGB, L und Ha, jeweils zuerst Correct Only, dann Normalbetrieb (Sharpen Stars 0,25–0,5, Halos 0 bis −0,1, Sharpen Nonstellar 0,5–0,9; Ha verträgt mehr, RGB weniger).

6 Lineares EntrauschenLinear

Ziel: Rauschen entfernen, solange es gleichmäßig verteilt ist.

Werkzeuge

BildEinstellung
RGB – geringste Integration je Kanal, höchstes Rauschen: HF 0,5–0,6 / 0,8–0,9, LF 0,3–0,4 / 0,6–0,8
L: HF 0,5–0,7, LF 0,3–0,4
HaHF 0,4–0,6, LF 0,2–0,3; bei langer Integration auch ohne Frequency Separation, ein Wert 0,4–0,5

7 Ha in den Rotkanal einmischenLinear

Ziel: reines Emissionssignal dem Rotkanal hinzufügen – rote Nebelstrukturen ohne rosa Sterne.

Werkzeuge

WarumHa in den Rotkanal?

Hα liegt bei 656 nm, im Durchlassbereich des Rotfilters. Das Ha-Bild ist eine wesentlich tiefere Aufnahme genau dieses Signals; es verstärkt den Nebel dort, wo er im RGB nur schwach ist, ohne die Farbe zu verfälschen.

WarumKontinuumsubtraktion?

Der Ha-Filter lässt neben der Emissionslinie auch Kontinuumslicht durch, vor allem von Sternen. Würde das ganze Ha-Bild addiert, bekämen alle Sterne einen Rotüberschuss – rosa Sterne. Die Subtraktion zieht den Kontinuumsanteil anhand des Rotkanals ab, in dem das Kontinuum dominiert.

Warumlinear?

Nur linear sind die Pixelwerte proportional zum Fluss; Addition und Subtraktion von Kanälen sind dann physikalisch korrekt.

Einfach, ohne Kontrolle über die Subtraktion:

FeldEinstellung
TargetRGB
Channel RHa
NB BandwidthBandbreite des Ha-Filters (z. B. 3, 5 oder 7 nm)
Broadband Bandwidth RBandbreite des Rotfilters (typisch etwa 100 nm)
Scale1,0–3,0 (Stärke der Ha-Verstärkung)
G, Bleer

Ergebnis prüfen: Sterne neutral, Nebel deutlich rot.

Volle Kontrolle in drei Schritten.

1. Rotkanal extrahieren: ChannelExtraction (RGB) auf das mit BXT bearbeitete RGB, nur R → R_cal.

2. Kontinuum abziehen (), Create new image, ID Ha_rein, Rescale aus:

Ha - q * (R_cal - med(R_cal))

q hängt von Filterbandbreiten, SPCC-Skalierung und Belichtungszeiten ab und wird an den Daten bestimmt; typisch nach SPCC 0,1–0,3.

Startwert: an drei bis vier mittelhellen, nicht gesättigten Sternen Kernwert und Hintergrund in Ha und R_cal ablesen; q = (Ha_Stern − Ha_Hintergrund) / (R_Stern − R_Hintergrund), Mittelwert.

Feinabstimmung: Preview im Ha-Bild auf mehrere mittelhelle Sterne mit wenig Nebel; PixelMath mit Replace target image auf den Preview-Tab ziehen (das Hauptbild bleibt unverändert); q in Schritten von 0,01–0,02 variieren, Strg+Z / Strg+Y. Für die Beurteilung eine sanftere STF als die Auto-STF verwenden (Auto-STF mit gedrückter Strg-Taste) – die Auto-STF ist zu steil, Werte nahe am Optimum wären nicht unterscheidbar.

Ziel: schwache und mittlere Sterne verschwinden weitgehend; verbleibende Reste etwa gleich oft hell und dunkel; Nebel unverändert. Überwiegen dunkle Reste → q senken, helle → erhöhen; ±0,01 genügt.

Erscheinungsbild in Ha_reinUrsacheMaßnahme
fast alle Sterne als gefüllte schwarze Scheibenq zu hochq deutlich senken
fast alle Sterne als helle Punkteq zu niedrigq erhöhen
kein Unterschied zwischen deutlich verschiedenen qAuto-STF zu steilsanftere Streckung
Halbmondform an hellen Sternen, unabhängig von qSubpixel-Versatztolerierbar, Schritt 3 fängt es ab
Ringe, je Stern unterschiedlichSternprofile von Ha und R_cal weichen abBXT-Stern-Parameter angleichen (Schritt 5)
weißer Punkt im Zentrum heller Sternegesättigte Kernetolerierbar

Ein einzelnes q entfernt nie alle Sterne perfekt: Ha liegt am roten Ende des Rotfilters, kühle Sterne bleiben leicht hell, heiße werden leicht übersubtrahiert.

3. In den Rotkanal addieren – PixelMath auf eine Kopie von RGB, Use single RGB/K expression aus, Rescale aus:

R/K: $T[0] + max(0, Ha_rein - med(Ha_rein)) * f
G:   $T[1]
B:   $T[2]
Symbols: f = 1.0

max(0, …) sorgt dafür, dass nur zusätzliches Ha-Signal addiert und nie etwas abgezogen wird – negative Reste würden dunkle Löcher und später cyanfarbene Sternkerne erzeugen. f ab 1,0, bei zu schwachem Nebel 1,5 – 2 – 3; zu hoch: Nebel grell orange-rot, Hintergrund mit Rotstich.

Optional: ein kleiner Ha-Anteil im Blaukanal ($T[2] + max(0, Ha_rein - med(Ha_rein)) * 0.1) verschiebt das Rot leicht Richtung Pink, wie es Hβ-Emission natürlich erzeugen würde.

8 Luminanz aus L und HaLinear

Ziel: eine Luminanz mit Nebel aus Ha und Sternfeld aus L.

Werkzeuge

WarumL und Ha kombinieren?

L bringt Sternfeld und Staubstrukturen, Ha die Nebelfilamente mit weit besserem Signal-Rausch-Verhältnis. max() nimmt an jeder Stelle den helleren Kanal: Nebel aus Ha, Sterne aus L – ohne dass Sterne aus beiden Bildern addiert werden.

  1. Kopie Ha_LF, auf L.
  2. : max(L, Ha_LF); weicher: L*0.6 + Ha_LF*0.4.

9 StreckenNichtlinear

Ziel: Farbbild und Luminanz getrennt strecken und aufeinander abstimmen.

Werkzeuge

Warumgetrennt strecken?

Die Luminanz trägt Struktur und Schärfe, das Farbbild die Farbe. Getrennt lässt sich das Farbbild im Colour-Modus strecken (Sättigung bleibt) und die Luminanz auf maximale Strukturzeichnung optimieren. In der LRGBCombination müssen beide nur noch über ihre Helligkeit zueinander passen.

  1. HaRGB mit , .
  2. L_neu mit demselben Schema; Ziel: Hintergrund und Filamenthelligkeit ähnlich der Luminanz von HaRGB.
  3. : ChannelExtraction auf HaRGB → HaRGB_L; Messstellen Dunkel, Mittel, Hell. Typisches Muster: nur Mittel abweichend, weil L_neu Ha-Struktur enthält → nur Mitteltöne, mit .

10 Sterne trennenNichtlinear

Ziel: Nebel und Sterne getrennt bearbeiten können.

Werkzeuge

BildGenerate star imageUnscreen starsLarge overlap
HaRGBaktiviertaktiviertbei dichtem Sternfeld
L_neuaus–bei dichtem Sternfeld

Die Sterne kommen aus HaRGB – nur dort sind Sternfarben enthalten ().

11 Sternlose Bilder bearbeitenNichtlinear

Ziel: Farbe und Farbkontrast am Farbbild, Struktur an der Luminanz.

Werkzeuge

Warumjetzt und in dieser Reihenfolge?

Ohne Sterne wirken Kontrast- und Sättigungsmaßnahmen nur auf den Nebel. Erst die Farbe bereinigen, dann Kontrast, dann Sättigung, zuletzt entrauschen – Farbfehler würden sonst mitverstärkt, und vorher entferntes Rauschen würde durch die Kontrastanhebung wieder sichtbar.

11.1 Farbbild

  1. SCNR vor den Kurven: , Amount 0,5–0,8. Großflächige grünliche Flecken treten durch Kontrast und Sättigung sonst deutlich hervor. Unkritisch, weil der Nebel kein echtes Grün enthält (kein OIII); gelbliche Bereiche prüfen, ob sie nach Orange kippen.
  2. Kontrast: .
  3. Sättigung: ; optional ColorSaturation für einen bestimmten Farbton.
  4. Entrauschen: .

11.2 Luminanz

  1. : 64–128 für ganze Filamente, Nebelflächen und Dunkelwolkenränder, 16–32 für feine Strukturen innerhalb der Filamente.
  2. Optional: , wenn schwache Bereiche nach LHE zu dunkel sind.
  3. .

12 Kombinieren und HintergrundNichtlinear

Ziel: Struktur und Farbe zusammenführen.

Werkzeuge

  1. Erneuter Abgleich: ChannelExtraction auf HaRGB_starless → HaRGB_starless_L; typisches Muster jetzt → sanfte S-Kurve. Grund: Das Farbbild wurde durch S-Kurve und Sättigung kontrastreicher, die Luminanz durch LHE nur lokal verändert.
  2. Kombination: mit L_neu_starless als L auf HaRGB_starless. Gehen Staubstrukturen ohne Messstelle verloren, und Saturation entsprechend nachziehen.
  3. Hintergrund bei Bedarf ; .

13 Sterne bearbeitenNichtlinear

Ziel: natürliche Sternfarben, Sterne verkleinert.

Werkzeuge

Auf einer Kopie von HaRGB_stars:

  1. , Amount 0,5–0,8, bei verbleibendem Grünstich 1,0.
  2. Sättigung prüfen: Orange und Blau bereits deutlich → nicht weiter anheben; nach der Rückführung zu bunt → Kanal S leicht absenken (0,5 → 0,45). Nicht vollständig entfernen – die Farben zeigen die Temperaturverteilung der Sterne.
  3. : Selection 0,2–0,3, Amount 0,5–0,8, 5×5 kreisförmig.

14 Sterne zurückführenNichtlinear

Ziel: Sterne weich wieder einsetzen.

Werkzeuge

auf einem Duplikat von Starless_final, Replace target image:

~((~Starless_final) * (~(HaRGB_stars * s)))

s = 1,0 nach der Reduktion.

15 Abschluss und ExportNichtlinear

Ziel: Gesamtkontrolle, letzte kleine Korrekturen, Sicherung.

  • Optional kleine Korrektur mit – mit Sternen im Bild nur zurückhaltend.
  • Optional , nur bei sichtbarem Rauschen.
  • Export: XISF 32-bit (Archiv), TIFF 16-bit (Weiterbearbeitung), JPEG sRGB (Veröffentlichung). Prozess-Icons sichern, Projekt speichern.

Fehlerbilder

HaLRGB-spezifisch. Allgemeine Fehler stehen unter „Typische Fehler“ der jeweiligen Grundlage.

SymptomUrsacheMaßnahme
Rosa SterneHa ohne Kontinuumsubtraktion addiertVariante B mit Ha_rein
Cyanfarbene Sternkernenegative Reste von Ha_rein abgezogenmax(0, …) im Ausdruck
Ringe oder Löcher in Ha_reinSternprofile von Ha und RGB verschiedengleiche BXT-Stern-Parameter (Schritt 5)
Nebel grell orange, Hintergrund rötlichf zu hochf senken
Nebelausläufer nach SPCC grauBackground Neutralization ohne Region of Interestnebelfreie Preview, Upper limit senken
Staubstrukturen nach LRGB verschwundenLuminanz dort abgesenkt, keine MessstelleLightness senken, Messstelle ergänzen
Nach diesem Workflow bearbeitet

Sh2-126 – der Gekko in der Eidechse