PixInsight 1.9.5

Schmalband-Workflow (HOO/SHO)

· 14 Schritte · ca. 4–6 h

Bearbeitung von Schmalbanddaten mit einer Monochromkamera – Ha und OIII für HOO, zusätzlich SII für SHO – vom Stacking bis zum Export. Die Sterne kommen wahlweise aus dem Schmalbandbild oder aus kurzen RGB-Aufnahmen.

Überblick

EntscheidungVariante AVariante B
PaletteHOO: Ha rot, OIII türkis – naturnahSHO: SII rot, Ha grün, OIII blau – Hubble-Palette
Sterneaus dem Schmalbandbild – keine weiteren Daten nötig, Sternfarben ohne Bedeutungaus RGB – natürliche Sternfarben, braucht kurze RGB-Aufnahmen

Die Varianten werden an den betroffenen Stellen als Reiter gezeigt. Bildnamen im Text: Ha, OIII, SII, das kombinierte Farbbild HOO bzw. SHO, die Luminanz L_syn, bei Sternen aus RGB das Bild RGB.

1 Kalibrieren und integrierenLinear

Ziel: deckungsgleiche Masters je Filter.

Werkzeuge

Je Filter eine Flat- und eine Light-Gruppe, CFA aus (). Wichtig für Schmalband:

  • Ein gemeinsames Registrierungs-Referenzbild für alle Filter, am besten der beste Frame aus Ha (viele gut erkannte Sterne). Bei Sternen aus RGB gehören die RGB-Lights in denselben WBPP-Lauf.
  • Drizzle, wenn überhaupt, für alle Filter gleich.
  • Generate rejection maps aktivieren.

2 ZuschneidenLinear

Ziel: Stacking-Ränder und Streulicht-Streifen entfernen, bevor die Gradientenkorrektur sie als Gradient missversteht.

DynamicCrop auf einen Master einstellen und denselben Ausschnitt auf alle anderen anwenden (Prozess-Icon auf jedes Bild ziehen), damit sie deckungsgleich bleiben. Artefakte, die nicht in den Rejection Maps auftauchen, lagen in allen Einzelbildern () – mit wegschneiden.

3 Gradientenkorrektur je KanalLinear

Ziel: Hintergrundverläufe entfernen, solange jeder Kanal noch einzeln vorliegt.

Werkzeuge

Warumje Kanal und vor der Kombination?

Gradienten unterscheiden sich je Filter; Mondlicht wirkt im Blauen stärker, Lichtverschmutzung ist spektral nicht neutral. Nach der Kombination wären sie zu Farbverläufen verschmolzen und schwerer zu trennen.

Jeden Master einzeln mit . Emission füllt bei Schmalband oft große Bildteile: Protection Threshold niedrig halten (). Bei OIII und SII mit schwachem Signal besonders vorsichtig – die Struktur liegt dort nur knapp über dem Hintergrund.

MultiscaleGradientCorrection ist für reine Schmalband-Masters nicht vorgesehen (MARS basiert auf Breitbanddaten); für R, G, B ist sie möglich.

4 RGB für die Sterne (optional)Linear

Ziel: nur bei Sternen aus RGB – ein farbkalibriertes Bild, das später ausschließlich die Sterne liefert.

Werkzeuge

  1. ChannelCombination: R, G, B → RGB.
  2. ImageSolver, falls die Lösung nicht aus WBPP stammt.
  3. mit Sensor- und RGB-Filterkurven, Region of Interest auf eine nebelfreie Preview.
WarumSPCC auch für ein reines Sternbild?

Die Sternfarben sind der einzige Beitrag des RGB zum Endbild. Nur eine photometrisch korrekte Weißbalance liefert die natürliche Spanne von Orange bis Blau. Die Nebelfarbe im RGB ist ohne Bedeutung – sie wird mit der Sterntrennung verworfen.

5 DekonvolutionLinear

Ziel: Sternformen korrigieren und Strukturen schärfen, solange die Daten linear sind.

Werkzeuge

auf jeden Master, zuerst Correct Only, dann Normalbetrieb. Sharpen Stars und Adjust Star Halos in allen Kanälen gleich: Ha-Sterne sind schmal, OIII-Sterne oft größer; unterschiedliche Profile ergeben später farbige Säume. Sharpen Nonstellar darf abweichen (Ha verträgt mehr als OIII und SII).

6 Lineares EntrauschenLinear

Ziel: Rauschen entfernen, solange es gleichmäßig verteilt ist – vor allem in den schwachen Kanälen.

Werkzeuge

Warumjetzt?

Im linearen Bild ist das Rauschen gleichmäßig verteilt und gut vom Signal zu trennen. OIII und SII müssen später stärker gestreckt werden als Ha; ihr Rauschen würde dabei überproportional sichtbar.

: Ha HF 0,4–0,6 / LF 0,2–0,3; OIII und SII HF 0,6–0,8 / LF 0,3–0,4. RGB (falls vorhanden): .

7 Synthetische LuminanzLinear

Ziel: eine Luminanz, die jede Struktur mit ihrem stärksten Signal trägt.

Werkzeuge

Warumnicht einfach Ha als Luminanz?

Ha ist meist der stärkste Kanal. Eine Luminanz nur aus Ha würde aber Strukturen unterdrücken, die vorwiegend in OIII oder SII leuchten – sie würden im Endbild dunkel, obwohl das Farbbild sie enthält.

  1. Kopien von OIII (und SII) mit auf Ha angleichen → OIII_LF, SII_LF.
  2. : max(Ha, OIII_LF) bzw. max(Ha, OIII_LF, SII_LF); bei verrauschtem OIII gewichtet, z. B. Ha*0.6 + OIII_LF*0.4.

8 Strecken und FarbkombinationNichtlinear

Ziel: alle Kanäle sichtbar machen, auf vergleichbare Pegel bringen und erst dann zum Farbbild kombinieren.

Werkzeuge

Warumnichtlinear kombinieren?

Die Kanäle unterscheiden sich in der Signalstärke oft um Größenordnungen (Ha 5–10× stärker als OIII und SII). Linear kombiniert würde Ha das Farbbild vollständig dominieren. Einzeln gestreckt und auf ähnliche Pegel gebracht, tragen alle Kanäle gleichwertig zur Farbe bei – die Farbbalance wird gestaltbar.

8.1 Kanäle strecken und abgleichen

Jeden Kanal und L_syn mit strecken. Danach die Kanäle angleichen:

GrößeZielWarum
Hintergrund (Median einer Hintergrund-Preview)in allen Kanälen nahezu gleich, etwa 0,08–0,12ungleiche Hintergründe ergeben einen Farbstich
Helligkeit der Strukturenähnlich; schwache Kanäle nicht absaufen lassenein zu dunkler Kanal fehlt im Farbbild fast vollständig

Previews Dunkel und Hell in Ha anlegen, auf die anderen Kanäle übertragen, Median per Statistics; Abweichungen per Schwarzpunkt (Hintergrund) bzw. (Strukturhelligkeit) angleichen. OIII und SII brauchen meist mehr Streckung; wird dabei Rauschen sichtbar, ein leichter NXT-Durchgang (0,3–0,4).

Alternative linear: LinearFit der schwächeren Kanäle auf Ha, ChannelCombination, gemeinsame Streckung im Colour-Modus – Ergebnis von Ha dominiert, schwache Kanäle treten zurück; für ein naturnahes Verhältnis der Emissionslinien.

8.2 Kombination

, Create new image, RGB, ID HOO: R = Ha, G = OIII, B = OIII. Variante mit natürlicherem Übergang: G = Ha*0.3 + OIII*0.7.

Ergebnis: Ha rot, OIII türkis, Mischbereiche weißlich.

ChannelCombination (RGB): R = SII, G = Ha, B = OIII → SHO.

Erwartetes Ergebnis: stark grünlich, weil Ha in G liegt und meist am stärksten ist. Kein Fehler – die Palette entsteht in Schritt 10.

8.3 Hintergrund neutralisieren

mit nebelfreier Preview als Referenz. Bei Falschfarben keine SPCC – es gibt keine „richtige“ Sternfarbe, nur der Hintergrund soll neutral sein.

8.4 Luminanz an das Farbbild angleichen

Vor der Sterntrennung L_syn an die Luminanz des Farbbildes angleichen (): ChannelExtraction auf HOO bzw. SHO → HOO_L bzw. SHO_L. Neben Dunkel, Mittel, Hell eine Messstelle OIII auf dominanter OIII-Emission. Typisch ist eine Anpassung nur der Mitteltöne, mit , weil L_syn Ha-Struktur bewusst betont.

Warumjetzt, vor der Sterntrennung?

Sterne liegen fast vollständig oberhalb des fixierten hellen Punkts und bleiben unverändert. Sterne und Struktur stehen danach in beiden Bildern im selben Verhältnis – die getrennten Bilder passen später zusammen.

9 Sterne trennenNichtlinear

Ziel: Nebel und Sterne getrennt bearbeiten können.

Werkzeuge

Warumnach dem Strecken?

StarXTerminator arbeitet auf nichtlinearen Daten am zuverlässigsten; Halos und schwache Sterne sind dann vollständig sichtbar.

BildGenerate star imageUnscreen stars
HOO / SHOaktiviertaktiviert
L_synaus–

Die Sterne kommen aus dem Farbbild; ohne RGB-Daten ist es die einzige farbige Quelle ().

BildGenerate star imageUnscreen stars
HOO / SHOaus–
L_synaus–
RGBaktiviertaktiviert

Das sternlose RGB wird verworfen. Weil alle Masters auf dieselbe Referenz registriert und gleich zugeschnitten wurden, liegt RGB_stars deckungsgleich.

Large overlap bei dichtem Sternfeld aktivieren.

10 Sternlose Bilder bearbeitenNichtlinear

Ziel: Farbe und Farbkontrast am Farbbild, Struktur an der Luminanz – ohne dass Sterne mitreagieren.

Werkzeuge

Warumjetzt und in dieser Reihenfolge?

Ohne Sterne wirken Kontrast- und Sättigungsmaßnahmen nur auf den Nebel. Am Farbbild wird zuerst die Farbe bereinigt bzw. die Palette gestaltet, dann der Kontrast aufgebaut, dann die Sättigung angehoben und zuletzt entrauscht – Farbfehler würden sonst mitverstärkt, und Rauschen, das vor einer Kontrastanhebung entfernt wird, würde danach wieder sichtbar.

10.1 Farbbild

1. Farbe:

Kein pauschales SCNR. OIII liegt in G und B und erscheint türkis; SCNR würde es nach Blau verschieben und entsättigen. Nur bei echtem Grünstich im Hintergrund , Amount 0,3–0,5; vorher/nachher an einer OIII-Stelle prüfen.

Optional – Farbtrennung rot/türkis:

ZielWerkzeugVorgehen
OIII kräftiger türkisColorSaturationPunkt im Cyan-/Blaugrünbereich +0,1 bis +0,2
Ha wärmerRottöne leicht Richtung Orange
Übergänge Ha/OIII–weißliche Mischbereiche belassen – sie zeigen die Überlagerung beider Emissionen

Palette per SCNR: , Average Neutral bzw. Maximum Neutral, Amount 0,5–1,0, lieber mehrere Durchgänge. Bereiche mit SII werden gold, mit OIII blau.

Farbtöne verschieben mit :

ZielVorgehen
Gelb → Gold/OrangePunkt im Gelbbereich leicht Richtung Rot
Grünreste → GelbPunkt im Grünbereich Richtung Gelb
Blau → Cyan/TürkisPunkt im Blaubereich Richtung Cyan

Nur kleine Verschiebungen; danach den Hintergrund erneut auf Neutralität prüfen.

2. Kontrast: , moderat.

3. Sättigung: . Ziel: Palettenfarben kräftiger, Hintergrund neutral.

4. Entrauschen: – in der LRGB-Kombination ersetzt die Luminanz die Helligkeit; sichtbar bleibt das Farbrauschen.

10.2 Luminanz

Reihenfolge: lokaler Kontrast → optional Mitteltöne per Maske → Entrauschen.

WarumLHE vor dem Entrauschen?

LHE macht auch Rauschen sichtbar. Entrauscht wird danach, damit genau dieses Rauschen erfasst wird.

  1. : 64–128 für Säulen und Ränder, 16–32 für Feinstruktur.
  2. Optional: schwache Nebelbereiche mit anheben; Maske danach entfernen.
  3. .

11 Kombinieren und HintergrundNichtlinear

Ziel: Struktur und Farbe zusammenführen, Hintergrund abstimmen.

Werkzeuge

Warumerneut abgleichen?

Seit dem ersten Abgleich haben sich beide Bilder unterschiedlich verändert: Das Farbbild wurde durch S-Kurve und Sättigung kontrastreicher, die Luminanz durch LHE nur lokal. Typisch hat die Luminanz jetzt weniger globalen Kontrast; ohne Angleichung wirkt die Kombination flau.

  1. Abgleich: ChannelExtraction auf HOO_starless bzw. SHO_starless → …_starless_L; Messstellen wie in 8.4, einschließlich OIII. Typisch ist jetzt eine .
  2. Kombination: mit L_syn_starless als L auf das Farbbild; Lightness 0,5, Saturation 0,4 als Start, Werte auf Duplikaten finden. Bei Detailverlust .
  3. Hintergrund abdunkeln, falls nötig: .
  4. Neutralität prüfen: – in der Nähe kräftiger Farben täuscht der Simultankontrast.

12 Sterne bearbeitenNichtlinear

Ziel: Sterne, die zum Nebel passen und ihn nicht überdecken.

Werkzeuge

Auf einer Kopie des Sternbildes – dort gibt es außer den Sternen nur schwarzen Hintergrund, Prozesse sind ohne Sternmaske anwendbar.

1. Farbe:

Warumgestalten statt kalibrieren?

Schmalband-Sterne zeigen keine echten Sternfarben: Ha-starke Sterne erscheinen rötlich, OIII-starke cyan – abhängig vom Spektrum und von den Filterprofilen, nicht von der Temperatur. Sie werden deshalb nach Bildwirkung reduziert.

VarianteVorgehenWirkung
dezent farbig leicht absenken (0,5 → 0,4)leichte Palettentöne
neutralKanal S stark absenken bzw. ColorSaturation negativweiße Sterne, lenken nicht vom Nebel ab
Magenta-Säume (SHO, HOO mit G-Mischung)Säume neutral
  1. Größe und Helligkeit abstimmen: Die Sterne stammen aus anderen Aufnahmen (anderes Seeing, andere Belichtung). Zu groß oder zu hell → stärkere Reduktion, s < 1 bei der Rückführung; zu klein oder zu schwach → RGB etwas stärker strecken oder s = 1,0.
  2. Grünliche Sterne: , Amount 0,5–0,8.
  3. Sättigung prüfen: Sternfarben kräftig, aber nicht grell; nach der Rückführung zu bunt → Kanal S leicht absenken. Nicht vollständig entfernen – die Farben zeigen die Temperaturverteilung.

2. Sternreduktion: , Selection 0,2–0,3, Amount 0,5–0,8, 5×5 kreisförmig.

13 Sterne zurückführenNichtlinear

Ziel: Sterne weich und ohne Übersteuerung wieder einsetzen.

Werkzeuge

mit PixelMath, Replace target image, auf einem Duplikat von Starless_final:

~((~Starless_final) * (~(HOO_stars * s)))

HOO_stars durch SHO_stars bzw. RGB_stars ersetzen. s = 1,0 nach der Reduktion; bei RGB-Sternen, die zu dominant wirken, 0,8–0,9.

14 Abschluss und ExportNichtlinear

Ziel: Gesamtkontrolle, letzte kleine Korrekturen, Sicherung.

Werkzeuge

  • Optional Kurve: nur kleine Korrekturen von Helligkeit und Kontrast – mit Sternen im Bild blähen diese bei kräftigen Kurven wieder auf.
  • Optional NXT: nur bei sichtbarem Rauschen im Hintergrund, (HF Intensity 0,15–0,25, LF 0,1). Kein sichtbarer Unterschied → auslassen.
ExportZweck
XISF, 32-bit FloatArchiv – verlustfrei, mit Historie und Metadaten
TIFF 16-bitWeiterbearbeitung in anderer Software
JPEG, sRGB, ggf. verkleinertVeröffentlichung

Prozess-Icons nach Ablauf benennen und ordnen, Save Selected Icons…. Projekt nach der letzten Änderung speichern; die Meldung „images have been modified and not saved“ beim Schließen bezieht sich auf Einzeldateien, nicht auf das Projekt.

Fehlerbilder

Schmalbandspezifisch. Allgemeine Fehler stehen unter „Typische Fehler“ der jeweiligen Grundlage.

SymptomUrsacheMaßnahme
SHO-Bild stark grünHa in G dominierterwartet; Palette per SCNR in Schritt 10
Nebel einseitig rot oder türkis, ein Kanal dominiertKanäle vor der Kombination unterschiedlich gestrecktKanalabgleich 8.1 wiederholen
OIII- oder SII-Strukturen im Endbild dunkelLuminanz nur aus HaL_syn aus allen Kanälen (Schritt 7)
OIII-Bereiche blau oder grau (HOO)SCNR auf den NebelSCNR nur maskiert im Hintergrund
Rauschen in OIII/SII nach dem Streckenschwaches Signallineares NXT stärker; leichter Durchgang nach dem Strecken
Sterne rot/cyan, unruhigFalschfarben der Schmalband-SterneSterne entsättigen oder Sterne aus RGB
Magenta-Sterne, farbige Ränderunterschiedliche Sternprofile der Kanälegleiche BXT-Stern-Parameter; Invert → SCNR → Invert
Doppelsterne oder Versatz nach der Rückführung (RGB)RGB nicht auf dieselbe Referenz registriertStarAlignment von RGB auf Ha, neu zuschneiden
RGB-Sterne zu großstärkere Streckung, anderes SeeingReduktion stärker, s < 1
Sternfarben unnatürlich (RGB)SPCC ungenau oder RGB im RGB-Modus gestrecktSPCC-Fits prüfen; GHS Mode Colour