Grundlage · PixInsight 1.9.x

SCNR

SCNR (Subtractive Chromatic Noise Reduction) begrenzt einen Farbkanal, meist Grün, auf das Niveau der beiden anderen. Das korrigiert grünliche Farbfehler – kann aber auch echtes Signal verfälschen, wenn das Objekt tatsächlich Grünanteile enthält.

Zweck

AufgabeAnwendung
grünlichen Farbfehler im Hintergrund entfernenGrün, Average Neutral, ggf. mit Maske
grünliche Sterne korrigierenim Sternbild
SHO-Palette gestaltenGrün entfernen, damit Gold und Blau entstehen
Magenta-Säume entfernenim invertierten Bild

Prinzip

SCNR verändert nur Pixel, deren Anteil der gewählten Farbe über einer Schutzgrenze liegt; andere Pixel bleiben unverändert.

Protection methodGrenze für Grün
Average NeutralMittelwert von R und B
Maximum NeutralMaximum von R und B – stärkere Wirkung

Parameter

ParameterWirkungTypische Wahl
Color to removezu begrenzende FarbeGreen
Protection methodSchutzgrenze (siehe oben)Average Neutral
AmountStärke0,3–1,0 je nach Anwendung

Bedienung

  1. Bild wählen, Parameter einstellen, anwenden.
  2. Vorher/nachher per Strg+Z / Strg+Y an einer betroffenen Stelle vergleichen (1:1 oder 2:1).
  3. Readout an einem grünlichen Pixel: nach SCNR G höchstens auf dem Niveau der Schutzgrenze.

Typische Anwendungen

Grünstich im Hintergrund

  • Objekt ohne Grünanteil (z. B. reiner Ha-Nebel): Amount 0,5–0,8 auf das ganze Bild, vor Kontrast- und Sättigungsanhebung – diese würden grünliche Flecken sonst deutlich hervorheben. Gelbliche Bereiche (viel Rot und Grün) prüfen, ob sie nach Orange kippen; dann Amount 0,5–0,7.
  • Objekt mit OIII: nur bei echtem Grünstich im Hintergrund, Amount 0,3–0,5, mit , die den Nebel schützt. Vorher/nachher an einer OIII-Stelle prüfen: Türkis muss erhalten bleiben.

Sternbild

Grünliche Sterne sind Farbfehler (Kanalversatz, Rauschen, Bayer-Interpolation); natürliche Sterne erscheinen praktisch nie grün. Im reinen Sternbild ist SCNR unkritisch, weil kein Nebel mit echtem Grün enthalten ist. Amount 0,5–0,8, bei verbleibendem Grünstich 1,0.

SHO-Palette gestalten

Im SHO-Bild liegt das stärkste Signal (Ha) im Grünkanal. SCNR entfernt den Grünüberschuss; Bereiche mit SII (Rot) wechseln nach Gelb/Gold, Bereiche mit OIII (Blau) nach Cyan/Blau. Die typische Gold-Blau-Palette entsteht also durch die Grünentfernung, nicht durch Sättigung.

  • Amount 1,0: klassischer Gold/Blau-Look, kaum Grün.
  • Amount 0,5–0,7: Grünanteile bleiben, natürlicherer Übergang.
  • Mehrere Durchgänge mit geringerem Amount sind besser steuerbar als einer mit 1,0. Maximum Neutral wirkt stärker.

Magenta entfernen

Magenta lässt sich nicht direkt wählen. Im invertierten Bild wird Magenta zu Grün:

  1. Image → Invert.
  2. SCNR (Green), Amount 0,5–1,0.
  3. Image → Invert erneut.

Beispiel: Magenta-Säume an Sternen im SHO-Bild, weil Sterne als Breitbandstrahler in SII (Rot) und OIII (Blau) stärker erscheinen als in Ha (Grün).

Woran man ein gutes Ergebnis erkennt

Typische Fehler

BeobachtungUrsacheMaßnahme
OIII-Bereiche blau oder grau statt türkisSCNR auf den Nebel angewendetSCNR nur im Sternbild bzw. maskiert im Hintergrund
Gelbliche Bereiche kippen nach OrangeAmount zu hochAmount 0,5–0,7
Stern bleibt grünlichAmount zu niedrig oder falsches FensterAmount 1,0; Zielbild prüfen
SHO-Bild flau nach SCNRSättigung noch nicht angehobenSättigung danach über

Wann sinnvoll – und wann nicht

SinnvollBesser ein anderes Werkzeug
Grünstich ohne echtes GrünsignalFarbbalance insgesamt → bzw. BackgroundNeutralization
Gold/Blau-Palette im SHO-BildFarbtöne fein verschieben →
Magenta-Säume über Invertierung
Verwendet in

BackgroundNeutralization · HaLRGB-Workflow · MorphologicalTransformation · NoiseXTerminator (NXT) · OSC-Workflow mit Quad-Bandpass-Filter · PixelMath · RangeSelection (Range Mask) · Schmalband-Workflow (HOO/SHO)